Pullover selber stricken
In den zurückliegenden Jahren habe ich hauptsächlich Socken, Schals und Mützen gestrickt. Nun sind erst mal Familie und Heimkinder versorgt. Deshalb dachte ich mir, eigentlich kann ich mal wieder einen Pullover gebrauchen. Eine Zeit war es ja fast verpönt, mit selbstgestrickten Sachen rumzulaufen. Inzwischen ist es zum Glück wieder „in“. Viele Leute entdecken dieses schöne Hobby für sich. Ich habe spätestens mit Beginn der Schulzeit auch mit Handarbeiten begonnen. Damals war es ja für alle ein Pflichtfach in der Grundschule. Auch meine Mutti hat in ihrer knapp bemessenen Freizeit für mich und meine Geschwister gestrickt. Ich habe anfangs meine Puppen eingekleidet. Später habe ich mich dann an meine Bekleidung gewagt. Kürzlich sah ich in einem Blog, dass ein selbst gestrickter Pullover mit Raglanärmeln vorgestellt wurde. Das war in den 1960er Jahren ganz groß in Mode. Und es war viel einfacher, als es in dem betreffenden Blog erklärt wurde.
Wir haben früher nicht oft fotografiert, aber ein Bild habe ich doch mit einem solchen Pullover. Den hatte ich mir als Sechzehnjährige gestrickt. Damals hatten wir bei mündlichen Hausaufgaben immer nebenbei das Strickzeug in den Händen. Als Studenten wurden auf diese Weise lange Zugfahrten genutzt oder sogar mal während der Vorlesung zu den Nadeln gegriffen. Peinlich wurde das ganze, als sich ein Wollknäuel selbständig machte und im Hörsaal auf dem schrägen Fußboden fast bis nach vorn rollte und der Professor laut sagte: „Nun holen Sie sich ihre Wolle schon, damit sie fortfahren können.“ Auch später habe ich für meine Kinder und meinen Mann gestrickt. Das war nötig, weil es gar nicht solch ein großes Angebot an Bekleidung gab. Wenn unsere erwachsenen Kinder heute ihre Fotos ansehen, höre ich schon manchmal: „Wie wir damals rumgelaufen sind!“ Das war aber nichts Besonderes, denn viele Mütter und Omas haben ihre Kinder so eingekleidet. Nun habe ich also wieder einen Pullover fertig und einen zweiten in Arbeit.
Pullover mit Raglanärmeln
Ich habe meinen Pullover mit einer kleinen Knopfleiste versehen. Man kann aber auch gleich mit einem normalen Bündchen oder einem Rollkragen beginnen. In jedem Fall fängt man den Pullover am Halsausschnitt an und strickt ihn praktisch in einem Stück. Wenn man keine Knopfleiste strickt und ganz ohne Muster arbeitet, hat man fast nur rechte Maschen. Das ist für Anfänger sicher leicht nachzuarbeiten. Mein Pullover ist etwa Größe 48. Ich habe Nadeln Stärke 2 1/2 und genommen und synthetisches Garn (100% Acryl). Für das Bündchen habe ich 132 Maschen angeschlagen und einige Reihen zwei rechts, zwei links gestrickt. Nach dem Bündchen teilt man die Maschen auf, um den Raglan zu beginnen. Prinzipiell geht man bei der Maschenzahl davon aus, dass je ein Sechstel für die Ärmel und je ein Drittel für Vorder- und Rückenteil berechnet werden. Ich habe festgestellt, dass dabei die Ärmel recht weit werden und habe deshalb ein paar Maschen mehr für den Rumpf gelassen.
Meine Aufteilung bei 132 Maschen sieht folgendermaßen aus:
23 M für die linke Hälfte vorn, 20 M linker Ärmel, 46 M Rücken, 20 M rechter Ärmel, 23 M rechte Hälfte vorn.
Strickt man ohne Knopfleiste wären es für Vorder- und Rückenteil je 46 M und die Ärmel je 20 M.
Meine Knopfleiste habe ich gleich angestrickt. Das heißt, ich habe jetzt bei der Aufteilung am Beginn und am Ende der Rundstricknadel nochmals acht Maschen aufgeschlagen, die dann die Knopfleiste bilden. Diese werden nachher überlappend zusammengestrickt und damit hat das Vorderteil auch insgesamt acht Maschen mehr als der Rücken. Hat die Knopfleiste die gewünschte Länge erreicht, werden die acht Maschen des rechten Vorderteils am Ende der Runde auf eine Extra-Nadel genommen und dann mit denen des linken Vorderteils jeweils zu zweit zusammengestrickt.
Für den Raglan strickt man aus der ersten und zweiten und der vorletzten und letzten Masche des Ärmelanschlags je eine Masche heraus. Das wiederholt sich in jeder zweiten Runde. Mit Knopfleiste betrifft es also immer die Rechtsrunden. Die Rückrunde wird einfach links gestrickt. Man muss nur anfangs aufpassen, dass die Zunahmen immer an der selben Stelle erfolgen. Nach ein paar Runden sieht man diese aber schon ganz deutlich. Ich habe für meinen Raglan insgesamt 60 mal zugenommen, das heißt 120 Runden gestrickt.
Hat der Raglan die gewünschte Länge erreicht, nimmt man die Maschen für jeden Ärmel auf je eine Rundstricknadel und die Maschen für den Rumpf auf eine lange Rundstricknadel. Ich stricke am liebsten beide Ärmel abwechselnd, sodass ich bis zum Ärmelbündchen hin immer gleichmäßig abnehmen kann. Wenn die Ärmel fertig sind, wird der Rumpf gestrickt. Die Maschenzahl sollte optimal sein, sodass hier kein Abnehmen erforderlich ist.
Diese Strickform hat den Vorteil, dass alles in einem Stück gearbeitet wird und somit außer dem Schließen der Ärmelnähte kein Nähen erforderlich ist. Solche Raglanärmel sitzen immer gut.
5 Personen haben einen Kommentar hinterlassen
Monika geschrieben am 3. Februar 2015, 19:39:
Hallo Helga, sieht super aus, Du hast modische Farben gewählt. Ich habe auch gerade einen Sommerpulli in Arbeit, aber in zwei Teilen und in weiß. Es macht immer wieder Spaß und Freude, selbstgestricktes auch mal vorführen zu können. Die Idee, auch mal wieder die Raglanform zu wählen, finde ich gut. Habe ich lange nicht gestrickt. Generell: ohne eine Handarbeit würde mir etwas fehlen. Liebe Grüße Monika
Helga geschrieben am 3. Februar 2015, 20:09:
Liebe Monika,
ich habe auch noch weiße Wolle zu liegen. Selber mag ich aber weiß nicht so gern. Deshalb überlege ich gerade, ob ich mal wieder ein Tuch mit ganz dicken Nadeln stricken sollte. Falls ich es in diesem Winter noch erledige, werde ich es auf jeden Fall zeigen.
Liebe Grüße an dich und deinen Mann
Helga
yvi geschrieben am 1. März 2016, 16:27:
Hallo habe eine Frage,möchte meinem Kind einen pulli mit Knopfleiste machen,maschenprobe ist 26 Maschen auf 10 cm, Hals Umfang 30 cm,grosse 104 ,können sie mir sagen wieviel Maschen ich anschlagen muss und wieviele Maschen zusätzlich für die Knopfleiste, danke
Helga geschrieben am 2. März 2016, 14:32:
Hallo Yvi,
guck mal bitte diesen Beitrag an: http://helgas-garten.de/raglanpullover-selber-stricken/ Dort habe ich noch mal ein Beispiel für die Aufteilung der Maschen. Es kommt ja immer auf Material- und Nadelstärke an. Für die Knopfleiste kann man auf jeder Seite vier bis fünf Maschen rechnen. Das probiert man sich am besten selber aus. Viel Spaß beim Stricken!
Liebe Grüße Helga
yvi geschrieben am 2. März 2016, 16:38:
Danke.probiers gleich mal aus.
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